montpellier: Mette Ingvartsen: «69»

«69 positions» kündigt sie an. So viele werden es dann nicht. Oder doch? Die sexuelle Konnotation der Ziffern, die aber wird eingelöst. In Form von Anspielungen. Das angekündigte Mitmachen bleibt bei Mette Ingvartsens neuester Solo-Performance während der Premiere in PACT Zollverein jedoch im keuschen Rahmen. Vier Freiwillige geben mal im Stehen die Orgasmus-Stöhner in ihren Kopfhörern wieder. Gleichzeitig. Ein Zuschauer rollt brav, wie gebeten, eine Rolle Klebeband um die Tänzerin herum, die dazu das innere Mummification-Sex-Gefühl beschreibt.

Sie ist ansonsten nackt, das aber schon seit einer Weile, irgendwie gewöhnt man sich daran. Weil ihr Körper so säuberlich schmal, so tanzgewöhnlich aussieht? Weil man ihn neutralisiert? Zwei Stunden lang blättert Ingvartsen eine intelligente Recherche zum Thema Nacktheit und Sexualität in den performativen Künsten auf, spielt dabei mit Distanzierung und Entdistanzierung. Es geht um Historie, die Sechzigerjahre.

Als Museum gibt sich das Bühnensetting aus. An vier Gerüstwänden hängen Fotografien, Textdokumente, Bildschirme mit Videos. Der eingeschlossene Zuschauerschwarm gruppiert sich recht nah vor und um den redenden, wandelnden und sich ...

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Tanz Januar 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Melanie Suchy

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