Michal Sedlácek «Körperwelten»

Halle

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Kann eine Kamera auf der Bühne als Teil des Spiels funktionieren? Ja, wenn der Mann dahinter Henk van Dijk heißt, der Choreograf Hans van Manen und das Stück «Live» (tanz 1/21). Anders verhält es sich, wenn der Abend um einen Fotografen, eine Fotografin herum gebaut wird.

Das lässt sich sowohl an der aktuellen Grand Show «Arise» im Berliner Friedrichstadtpalast studieren als auch an der jüngsten, von hohen Erwartungen begleiteten Produktion des Ballett Halle: «Körperwelten», in Anlehnung an Gunter von Hagens Faszien-Prep-Schau betitelt und von Hausherr Michal Sedláček choreografiert, will zu viel und versinkt deshalb in einem Overload an Bildern.

Schon die Nacherzählung des Plots, den Sedláček und sein Dramaturg Boris Kehrmann erdacht haben, ufert aus. Es geht um eine Fotografin, die im Säuglingsalter ein schweres Trauma erlitten hat: Die eigene Mutter versucht, das Kind zu ertränken, als Reaktion auf einen Ehebruch. Das Mädchen wird gerettet und wächst bis zu dessen Tod beim nunmehr alleinerziehenden Vater auf – Großfürst der zeitgenössischen Kunst. Dessen Entourage (trans Frau, cis Frau, cis Mann) bedrängt die Tochter, die jedoch aufgrund der Geschehnisse und des erzwungenen ...

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Tanz Juni 2023
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Dorion Weickmann

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