Menschen und Räume
Menschen wirken auf Räume ein, gestalten sie, eignen sie sich an und hinterlassen Spuren. Gleichermaßen wirkt der Raum auf den Menschen ein, ermöglicht Begegnung, aber verhindert sie auch. Diese Wechselbeziehung zwischen Raum und Mensch gilt für alle Räume, sei es ein Sakralraum, ein Theater, das eigene Zimmer, eine Schrebergartenkolonie oder eben der städtische Raum.
Aber gilt dies auch für das Meer? Auf den ersten Blick stehen sich Meer und Stadt diametral gegenüber: Natur versus Kultur, Leere, Unbegrenztheit versus Struktur und Begrenztheit, hier die Einsamkeit der Menschen am Strand, dort die Menschenmassen der Großstadt. Auf das Meer richten sich die Träume nach fernen Ländern, unbekannten Kulturen und exotischen Schätzen. Die Stadt hingegen taucht die Realitäten des Lebens in modernen Gesellschaften in ein grelles Licht. Seit dem Entstehen der ersten europäischen Großstädte werden diese gefeiert und zugleich problematisiert: als Orte, in denen sich das Individuum frei entfalten kann, ohne den sozialen Restriktionen des Dorfes und der Kleinstadt unterworfen zu sein. Zugleich wird es dort mit ökonomischer Ausbeutung, Einsamkeit, Anonymität, sozialer Kälte und Segregation ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 117
von Annette Knaut
Ganz klar: Die zurückliegenden eineinhalb Jahre waren eine enorme Herausforderung für die gesamte Kunstwelt. So vieles, was wir bis dahin als selbstverständlich erachtet hatten, war uns plötzlich nicht mehr zugänglich. Ich persönlich war überwältigt von Gefühlen der Hilflosigkeit. Zugleich eröffneten sich in jenen Monaten aber auch viele Möglichkeiten, die es zu...
Die Forderung, dass sich Theater dem digitalen Wandel in der Gesellschaft stellen muss – und zwar sowohl inhaltlich mit den Mitteln der Kunst als auch in der Anpassung der eigenen Produktionsprozesse – ist nicht neu. Die eigene Sichtbarkeit im Digitalen und damit einhergehende neue Praktiken der Inszenierung und Rezeption für digitale Bühnen – das hat vor 2020...
Als John Neumeier und das Hamburg Ballett «Ghost Light» wenige Wochen nach der Uraufführung im Oktober 2020 nach Baden-Baden brachten, war die Pandemie, wie wir heute wissen, noch lange nicht vorbei. Aber wir hegten irgendwie Hoffnung. «Ghost Light» war eines jener wenigen neuen Tanzstücke, die wir im Herbst nach dem Lockdown vom Frühjahr 2020 sehen konnten. Es war...
