newcomer: sylvana seddig

«Schon im Bauch meiner Mutter musste ich Dehnübungen machen», sagt sie einmal aus dem Off in ihrem Solo «Tanzsylvanien». Die 30-jährige Tochter einer Tanzpädagogin führt da keine Spagate vor, sondern eine andere Form der Dehnung: vom kleinen Ich in die große Welt hinaus. Auf dem Boden schiebt sie müde Fingertentakel nach vorn, die der Monitor vergrößert. Er überbringt den Zuschauern Nachrichten aus dem verborgenen Raum dahinter: Sylvana Seddig steckt hinter einem Vorhang aus weißen Luftballons.

Eine Live-Übertragung? Wegen der offenbar flexiblen Kamera hält man das TV-Bild bald für fake. Aber wenn die Tänzerin tobt, im Bild, hört man das hinter der Blubberwand. Doch echt? Oder fast? Eine Dehnübung fürs Zuschauerhirn. Plötzlich tritt die Tänzerin heraus, gekleidet in ein Büschel gelber Ballons, ohne Kopf. Sylvana Seddig hat Humor. Mit Blutsaugern hat ihre Heimat Tanzsylvanien nichts zu tun, sondern mit Blutleere; das extremste Bildschirmbild der Performance zeigt selbstvergessene Langeweile: Da prokeln die Finger am entkleideten Körper herum.

Ihr Tanzstudium absolvierte sie bis 2008 bei ArtEZ in Arnheim, schon im vorletzten Ausbildungsjahr bekam sie erste Jobs. «Ich hatte Glück beim ...

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Tanz Februar 2016
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Melanie Suchy