Maskenspiel

Sidi Larbi Cherkaoui gibt mit «Medusa» sein Choreografie-Debüt am Londoner Royal Ballet. Dessen Erste Solistin Natalia Osipova wirft sich mit Bravour in die Titelrolle.

Tanz - Logo

Medusa, einst die schönste der Gorgonen, schließlich verflucht von Athene, muss Schlangen als Haartracht tragen und jeden, den sie erblickt, unwillkürlich in Stein verwandeln. Der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui bereitet den mythologischen Stoff für ein zeitgenössisches Ballettpublikum auf und untelegt ihn mit (von Olga Wociechowska elektronisch erweiterten) Klängen des Barockkomponisten Henry Purcell.

Schöne Musik, die allerdings nicht so ganz zu Cherkaouis Grand-Guignol-Theater passen will, das in schlichter, geschmackvoller Ausstattung das Innere eines griechischen Tempels markiert, dessen lineare Architektur von der magischen Lichtregie Adam Silvermans wirkungsvoll herausmodelliert wird. Die weiblichen Figuren, mit langen Schals ausgestattet, tragen elegante Couture in gedeckten Creme-, Bronze-, Grau- und Rosa-Tönen, entworfen von Olivia Pomp.

Lineare Formensprache

Im Zentrum steht Natalia Osipova, im Arm zunächst eine große Metallschale als Signum ihrer heiligen Tempeldienste; hinter ihr, omnipräsent auf einem Podium, Olivia Crowley als von weiteren fünf Priesterinnen flankierte Athene: Die klare lineare und kreisförmige Formensprache von Cherkaouis Choreografie suggeriert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Mike Dixon

Weitere Beiträge
Erratum

Auf dem Cover der tanz-Ausgabe 6/19 ist nicht Nazareth Panadero zu sehen, sondern Cristiana Morganti. Wir bitten um Entschuldigung.

 

500. Geburtstag: Havanna tanzt

Es sei das schönste Land, das ein Menschenauge je gesehen habe, soll Kolumbus nach der Landung auf Kuba 1492 in seinem Bordtagebuch notiert haben. Heute, möchte man anfügen, ist die Inselrepublik eine der schönsten Gegenden auch für den Tanz. Das trifft nicht nur, aber besonders auf Havanna zu. Dort begeht man in diesem Jahr den 500. Geburtstag der Stadtgründung...

Prix Benois de la danse

Der Oscar der Tanzwelt ging in diesem Jahr an eine Reihe hierzulande besonders vertrauter Namen: Zürichs Ballettchef Christian Spuck wurde für seine Choreografie «Winterreise» (tanz 11/18) ausgezeichnet, Elisa Carrillo Cabrera vom Berliner Staatsballett für die Verkörperung der weiblichen Titelrolle in Nacho Duatos «Romeo und Julia», ihre Kollegin Anna Laudere vom...