Marco Goecke

Die Klassik erneuert sich. Mit schwarzer Magie. Ausgerechnet durch einen Wuppertaler. Von Stuttgart aus nimmt er sich furchtlos das Ballett zur Brust.

Furcht vor der eigenen Fantasie wäre das letzte, was man Marco Goecke vorhalten möchte. Und wenn schon. Der neue Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts würde sicher entgegnen: «Wenn man viel Angst hat, hat man auch viel Mut!» – und eintauchen in seine Welt, auch auf die Gefahr hin, sich darin völlig zu verlieren. «Ich will mich überraschen lassen», sagt der Shooting-Star, und durch Bewegungen erfahren, was sich der Beschreibbarkeit entzieht. Eine Geste vielleicht. Ein Gefühl. Am liebsten ein Geheimnis. «Auf jeden Fall etwas, das ich so noch nicht kenne.

» Ein besonderer Kosmos, ein Ballett, das zu entschlüsseln ein Ding der Unmöglichkeit scheint. «Natürlich teilt sich in jeder Bewegung etwas mit, aber die Mitteilung ist als solche für den Betrachter nicht mehr zu identifizieren.» Marco Goecke: «Vielleicht ist Tanz ganz einfach so. Auf jeden Fall wird so die Kommunikation zwischen Tänzern und Zuschauern aufrechterhalten. Denn wenn man auf der Bühne alles verstehen müsste: wäre das nicht zum Verzweifeln?» Und lacht still vergnügt in sich hinein.

So fordert er von sich und den anderen Fantasie. «Gib einen Kuss», heißt es in einer Probe. «Wirf ihn hoch und fang ihn mit dem Gesicht ...

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Tanz November 2006
Rubrik: Portrait, Seite 54
von Hartmut Regitz

Vergriffen
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