Marco Goecke mit «Shakespeare made in Leipzig»

Critic’s Choice

Tanz - Logo

Shakespeare lässt die Liebe sprechen, und Marco Goecke gibt ihr Gestalt: Kaum sichtbar, scheinen Marietta Kro und Martin Chaix ganz Emotion. Die eingeschwärzte Bühne ist erfüllt vom Klang ihrer Körper und von Geräuschen – eine Insel, wie sie Caliban im «Sturm» beschreibt: unerklärlich und von einer Sinnlichkeit, die jeder Schilderung spottet. Schwer zu sagen, was eigentlich geschieht. Während das Publikum noch den Sonetten Shakespeares lauscht, sieht es sich einbezogen in eine Welt, die bis zuletzt ihr Geheimnis wahrt und ihm trotzdem vertraut erscheint.

Wunderkerzen brennen ab, und in ihrem «Schattenschein» zerflattern Arme, Hände und Füße, als ob sie sich letztlich lösen wollten vom Leib. «Traum, Vision, Helligkeit und Dunkel, Liebe und Verzweiflung sowie Elemente aus Shakespeares Alltag bilden die Grundstimmung für ‹Sonett›», heißt es dazu im Programmheft, und Nachtmahren gleich geistern die Tänzer durch ein Stück, das Shakes­peare beim Wort nimmt, ohne seine Texte jemals zu illustrieren.

Insofern hat der Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts mit seinem «Sonett» für das Leipziger Ballett die «Carte blanche» des Direktors wirklich angenommen und einen «Shakespeare» kreiert, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 40
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sucht das Talent

Es war einmal, lang her, Juli 1981 im italienischen Polverigi: Geburtsstunde der europäischen Netzwerker, des Informal European Theatre Meeting (IETM), das sich seit 2005 das «International network for contemporary performing arts» nennt. Bei Wein und Spaghetti beschloss man im Garten der Villa di Polverigi, eine Lobby «für» talentierte Künstler zu gründen, die...

Benjamin Millepieds «Casse-Noisette»

Endlich einmal ein Bühnenbildner, der Farbe bekennt. Auf Einladung der Tri­bune de Genève hat Paul Cox eine Ausgabe gestaltet, und pünktlich zur Ballett­premiere im Bâtiment des Forces Mo­trices vor an­dert­halb Jahren erschien das Blatt wie ausgewechselt: kein einziges Bild. Statt­dessen Buntheit, wohin man blickt, und eine Zeitung, die ihren Spaß hat an seiner...

Im Namen Noverres

Als «Deutschlands Kaderschmiede für Choreografen» wurde die Noverre-Gesellschaft bezeichnet, in einem Portrait des Wuppertaler Choreografen Marco Goecke, den Fritz Höver als einen der jüngeren Noverre-Absolventen in die Ballettwelt hinausgeschickt hatte. «Deutschlands Kaderschmiede für Choreografen»: das ist kein Avantgarde-Festival, kein Tanz der freien Szene und...