manuel legris

Aus Paris nach Wien, von der Bühne auf den Chefsessel: Seit fünf Jahren leitet er das Wiener Staatsballett mit dem Anspruch auf Exzellenz. Was das bedeutet, erzählt er Andrea Amort

Wiener Staatsoper, 4. Stock: Ein Treffen im Büro des Ballettdirektors, der hinter einem Schreibtisch vor dem PC sitzt. Um ihn herum gruppieren sich Bücher und Zeitschriften, er selbst wirkt unaufgeregt. Auch seine Vorgänger arbeiteten in Kammern entlang dieses schmalen, engen, dunklen Ganges, der zum Großen Ballettsaal führt. Gerhard Brunner, Ex-Kritiker, aufgeschlossener Ballettkenner, telefonierte von einer winzigen, vollgestopften Kemenate hinaus in die Welt mit John Neumeier, Hans van Manen, Jiří Kylián, William Forsythe.

Elena Tschernischova, Ex-ABT-Ballettmeisterin und Vladimir-Malakhov-Förderin, residierte rauchend, reduziert eingerichtet mit einer schwarzen Ledergarnitur, aus der ein Gast kaum wieder hochkam. Bei Anne Woolliams, die von dem Kritiker Walter Sorell empfohlen worden war, saß man eng und aufrecht. Design und Farbe brachte Renato Zanella nicht nur ins Ballett-Büro, mit dem ersten Choreografen-Direktor seit den 1970er-Jahren zogen Jugend, Geschmack und mediterranes Feeling ein. Zehn Jahre später, beim Ungarn Gyula Harangozó, verschwand die Wärme, eine kühle Küche mit Neonlicht war Gesprächszone. Legris hat sich sachlich eingerichtet, in einem gänzlich heutigen ...

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Tanz Januar 2015
Rubrik: menschen, Seite 27
von Andrea Amort

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