Mannheim
Ein einziges Mal ist Shakespeare auf den Hund gekommen. Crab heißt er im englischen Original, Mies auf deutsch, und er spielt in «Zwei Herren aus Verona» eine nicht unbedeutende Rolle. Veit Schubert hat sich für die Koproduktion des Berliner Ensembles und der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» einen Dackel einfallen lassen, der nicht nur komisch ist, sondern darüber hinaus kunstvoll genug, um dem Publikum zu gefallen.
Im Nationaltheater Mannheim sucht man den Hund vergebens.
Es ist überhaupt einiges anders in dem Ballett von Kevin O’Day, das unter der Überschrift «2 Gents» auf das Frühwerk Shakespeares zurückgreift. Neben dem verkürzten Titel lässt sich das auch an einer Figur wie dem Grafen von Kurpfalz ablesen, der völlig überflüssig durch den Zwei-Akter geistert. Er wird wie die anderen Personen zunächst einmal vorgestellt von Thomas Siffling, der sich erst ans Publikum wendet, bevor er zu Trompete oder Flügelhorn greift.
Das Entree lässt an ein Märchen von Serge Prokofjew denken. Anders als bei «Peter und der Wolf» hat Siffling indes als Komponist den einzelnen Figuren weder Musikmotive noch Instrumentalfarben zugeordnet. Vielmehr hat er nach Maßgabe des Choreografen ...
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Tanz März 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Hartmut Regitz
als Newcomer vorzustellen, wird zumindest den regelmäßigen Besucher beim Hamburg Ballett befremden. Denn irgendwie ist der Sunnyboy mit der frech blitzenden Zahnlücke doch immer schon da gewesen. Umso erstaunlicher allerdings, wie er nach wie vor mit jedem Auftritt das Publikum aufs Neue begeistert. Im Dezember 2013 beispielsweise, als es selbst seinem Chef John...
Groß, schmal und elegant, entspricht dieser Russe so gar nicht dem alten Klischee der Bolshoi-Kraftpakete, die als muskelbepackte Machos durch sowjetische Repertoire-Knüller wie «Spartacus» stürmten. Der 26-jährige Vladislav Lantratov gehört zu einer neuen Generation junger Solisten, die Alexei Ratmansky und Sergei Filin in den letzten zehn Jahren in der...
Am Anfang war kein Wort. Alles noch ungesagt. Ein Haufen zerknülltes Papier auf der Bühne; darüber hängt tief eine funzelige Brutlampe. Nichts rührt sich, Stühle knarzen, Zuschauer hüsteln. Draußen, um die Alte Feuerwache in Köln herum, tobt das Leben, Kinder rufen, Rockmusik wird auf- und zugedreht. Der Berg hier knistert kaum hörbar. Ein Papier ragt heraus,...
