Klavier-Körper

Cinderella widerfährt auf einer CD Gerechtigkeit

Längst ist es an der Zeit, dass Cinderella Gerechtigkeit widerfährt .Und so wie Mikhail Pletnev und Martha Argerich an zwei Klavieren Prokofieff auf die Sprünge helfen, braucht es sich nicht weiter um sein Aschenbrödel-Dasein zu sorgen. Von pompösen Figurationen befreit, besser gesagt: auf das Eigentliche konzentriert, wird die Komposition so körperhaft, dass sich selbst der kritischste Zuhörer einbezogen sieht in einen schier endlosen Walzer. Dabei dauert die Ballett-Suite nicht viel mehr als eine halbe Stunde.

Aber in den wenigen Minuten bringen die beiden das Stück zum Tanzen und zeigen nebenbei, wie viele Grauwerte eine Musik doch besitzen kann zwischen dem Schwarz und dem Weiß ihrer Tasten. Ohne auf die Herztöne des Stücks zu verzichten, macht Pletnev in seiner Trans­kription, wie Peter Cossé im Booklet sagt, «die Nervenlinien der Handlung» und ihre ­«­Keimz­ellen» von Prokofieffs Dramatik hörbar – und gibt dem Theater, was des Theaters ist, wenn er am Schluss bei den «Glockenschlägen» mit der flachen Hand auf die Saiten seines Flügels schlägt. Nicht minder reiz- und klangvoll auf der selben CD: Ravels Ma mère l’oye, ebenfalls in einer Transkription Pletnevs – mit einer Martha ...

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Tanz März 2005
Rubrik: Magazin, Seite 15
von Hartmut Regitz

Vergriffen