luftdicht

verpackt erscheint der Tanz der Jugendlichen in den Filmen und Fotos der niederländischen Künstlerin Rineke Dijkstra

Niemand kann Nicky anfassen. Sie ist da für sich, wie hinter Glas, gesehen durch eine Linse, betrachtet im Viereck des Films auf einer Wand des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt. Nicky hört Musik, wir auch, wahrscheinlich dieselbe, so ein elektronisches Tuckern, künstliche Herzschläge, mit einlullendem Überbau und einer Süßstoffstimme, waiting for a man, come on, touch me. Das hat nichts zu sagen, oder doch? Nicky, Mädchen, Frau, Etwas dazwischen, trägt ein kurzes Kleid, dessen Unterkante nicht verrutschen darf, sie fasst kurz hin zur Kontrolle.

Überhaupt platzt sie vor lauter Gedanken- und Gefühlsgängen fast aus diesem engen Stoff mit dem Kreuzdesign: Was zeige ich, was nicht, was darf ich, will ich, höre ich? Sie probiert, denn sie weiß es nicht. Aber es soll nicht nach Probieren aussehen. Aufnahme läuft, so ist das Leben.

Die Zeit aber, die Rineke Dijkstras Video quasi luftdicht konserviert, läuft ins Leere. Sie giert nach Nicky und bekommt sie nicht zu fassen. Nicky tanzt. Sie bewegt sich auf der Schwelle, auf der sie lebt, den Blick gesenkt, einen gesenkten Blick zeigend, die Arme locker oder mal kurz angehoben, wie aus halber Absicht, sie verschiebt den Brustkorb im ...

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Tanz Mai 2013
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Melanie Suchy

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