Live on camera: «C(h)œurs» von Alain Platel

Wer kleinere Theater besucht, hat öfter mal das Pech, hinter einer Kamera zu sitzen, die einem während der Vorstellung mit hell strahlendem Monitor zeigt, wie sehr ihr Objektiv geeignet ist, dasselbe ganz anders zu sehen als das eigene trübe Auge. Man ist gezwungen, immer hin und her zu switchen vom Bild der Bühne zum Bild der Kamera – auch wenn man triumphieren mag, wie kalt das Bild der Pixel doch sei und wie warm das Bild der eigenen Wahrnehmung. O ja, mag man denken: Der eigene Blick ist der selektivere Betrachter und ein Weichzeichner zudem.

Aber die Kamera ist strenger, und ihr Speicher vergisst nichts.

Wer ein großes Theater besucht, etwa das Teatro Real in Madrid, kann ein Meisterwerk erleben. So geschehen 2012: «C(h)œurs» von Alain Platel mit 104 Mitwirkenden und den berühmten les ballets C de la B aus Gent. Zu den Chören von Verdi und Wagner gesellte sich ein TV-Profiteam mit drei Kameras, die unerschrocken aus den Seitengassen jedes Detail und jede Bewegung übertrugen: live ins Fernsehen, aber auch auf die haushohen Leinwände ins Theater selbst. Jeder arme Wicht im Theaterstuhl hatte nun die Wahl: wie mit Scheuklappen sich diese Großprojektionen neben dem Portal wieder ...

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Tanz Juni 2020
Rubrik: Streaming, Seite 12
von Arnd Wesemann