leipzig: Mario Schröder: «Mozart Requiem»

Die Zeit läuft ab. Unerbittlich. Bevor noch ein einziger Ton des «Mozart Requiem» erklingt, das dem relativ kurzen Memorial des Leipziger Balletts den Namen gibt, ist allein das unerbittliche Ticktack einiger Metronome zu hören. Schwarz ist der Raum von Andreas Auerbach, eine Totenkammer, erhellt einzig von einem doppelten Neon-Rahmen. Darunter Tänzer und Tänzerinnen, gleich gewandet in weiße Tutus – als wären es «schwebende Wolken gestorbener Seelen», wie Volkmar Draeger in einer Kritik so schön formuliert. Ganz anders der Mann, der später auf einer Leinwand sichtbar wird.

Aufstaubend lässt er sich immer wieder in die Niederungen des Menschseins herab: eine Videosequenz aus dem Film «Teorema» von Pier Paolo Pasolini. Wie in einer Collage, wie in einem Palimpsest überlagern sich die Bilder. Man hat den Eindruck einer Übermalung à la Arnulf Rainer. Sie entgrenzt das Werk, ganz nach dem Willen des Choreografen Mario Schröder, der sein ursprünglich in Kiel geschaffenes «RequieM» von Grund auf überarbeitet hat. Dass der Genius Loci, dass Uwe Scholz dabei hereinspielt, lässt sich nicht leugnen. Viele Jahre lang war Schröder dessen Solist.

Auch der Filmemacher ist gegenwärtig; Alessandro ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
wrocław: Robert Bondara: «Feuervogel», «Der wunderbare Mandarin»

Wrocław wird 2016 Europäische Kulturhauptstadt. Für das Ballett der Oper Anlass genug, schon jetzt neue Akzente zu setzen, um aus dem übermächtigen Schatten der Megamusikproduktionen herauszutreten. So kann man die erste Premiere der Saison programmatisch sehen: Strawinskys «Der Feuervogel», Bartóks «Der wunderbare Mandarin» an einem Abend – publikumswirksam das...

screenings und ausstellungen

screening_________

gardenia

war 2010 das Erfolgsstück der belgischen les ballets C de la B. Mit einem transsexuellen Star, der damals noch keiner war: Vanessa van Durme. Nun, 200 Vorstellungen in 25 Ländern später, wurde aus dem Tanzabend von Alain Platel und Frank Van Laecke (tanz 10/10) ein Film – keine Bühnenadaption, sondern ein Blick ins echte Leben der sechs...

revolution!

Kuratoren, Galeristen, Kunstprofessoren winken routiniert ab, sobald jemand mit der Frage aufschlägt: Wo bitte geht‘s zur Avantgarde? Selbst Originalität gilt heute als problematisches Unterfangen, war doch … alles schon mal da. Tanzkreative hören über ihr eigenes Schaffen denn auch häufig nichts lieber als: «Das sieht nach Billy aus.» Was so viel bedeutet wie: Du...