le chant de la terre

Zum dritten Mal hat John Neumeier für das Pariser Opernballett inszeniert – einmal mehr ein Werk von Gustav Mahler. Mit gemischtem Erfolg

Gustav Mahlers «Lied von der Erde» ist ein herzzerreißendes Opus, vor allem das Ende – «Der Abschied» − besitzt ungewöhnliche dramatische Kraft. Der Komponist hatte gerade seine Tochter verloren und kämpfte mit einem Gefühl der Leere, als er mit der Tonsetzung begann. So schrieb sich der Tod in die Notenzeilen ein, die wiederum erst sechs Monate nach Mahlers Ableben von Bruno Walter uraufgeführt wurden.


 
Für John Neumeier ist «Das Lied von der Erde» nach «Magnificat» (1987) und «Sylvia» (1997) die dritte Kreation, die er mit dem Pariser Opernballett unternimmt – und wohl seine letzte, was Mahler betrifft und die französische Kapitale. Insofern gehorcht die musikalische Wahl nicht nur seiner eigenen Vorliebe für diesen Komponisten. Vielmehr scheint eben auch der schwermütige «Abschied» passend, mit dem das Meisterwerk endet.

Das dunkle Werk ist von fernöstlichen Gedichten aus dem achten Jahrhundert inspiriert, die Hans Bethge in der Sammlung «Die chinesische Flöte» zusammengefasst und Mahler teilweise selbst nachbearbeitet hat. Sieben davon vertonte er in sechs Gesängen, die gleichermaßen Lebens- und Todes-Impulse ins Spiel bringen, am stärksten indes von Leid und Trauer gezeichnet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2015
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Agnès Izrine

Weitere Beiträge
highlights

berlin_________ trisha brown

Ende des Jahres steht ein Abschied ins Haus, der viele schon im Vorfeld trauern lässt: Die Trisha Brown Dance Company geht von der Bühne. Die gesundheitlich angeschlagene Prinzipalin wird ihr Ensemble nicht mehr begleiten können, wenn es sich auf Farewell-Tour nach Europa aufmacht. Letzte Gelegenheit, um die luftige, leichtfüßige und...

welttanztag

ist auch in diesem Jahr am 29. April. Ob das Datum rot im Kalender von Monika Grütters steht, wissen wir nicht. Dass die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ein familiär bedingtes Faible für die Bewegungskunst hat, hingegen schon (Seite 60). Ob die Tanzszene davon profitieren kann? Die Staatsministerin mit Dienstsitz Bundeskanzleramt adressiert...

screening

Auf dem Weg der «Entwicklung zu einer sozialistischen Persönlichkeit» kommt dem 18-jährigen Frank (auf dem Foto: Gordon Kämmerer © Edition Senator) an einem ganz gewöhnlichen Dienstag des Jahres 1985 ein Auftritt von Mr. Robot im Westfernsehen in die Quere. Und nicht nur das: Weil in der DDR gerade der Bronx-Film «Beat Street» weiteres Anschauungsmaterial liefert,...