Laurent Chétouanes «Bildbeschreibung»

Hamburg

Tanz - Logo

Es gibt am Theater Künstler, die werden nicht gefeiert, sondern leise zelebriert, weil es ihre bienenfleißige Melancholie stören könnte, geriete der Applaus zu kräftig. Ein «Theater der Enthaltsamkeit» hat man das genannt, was der verehrte Regisseur Laurent Chétouane hier treibt: ein «Theater der Entbehrungen» wäre richtiger.

Man nehme nur genügend willige Zuschauer, den aufrichtig deklamierenden Tänzer Frank James Willens und Heiner Müllers «Bildbeschreibung», schließe für zwei Stunden die Tür und überlasse den Meg-Stuart-Performer seiner selbst, stecke ihm ein Stück Kreide in die Hose, stelle ihm ein Schild mit der Aufschrift «himmel» auf den weißen Tanzboden und versperre ihm nicht den Zugang zu seinem Publikum, wo er sich mal die Hand eines Erstbänklers an seine Kehle legt oder mit seinen Schultern den Putz von der Wand schabt.
Müllers «Bildbeschreibung»: ein Text, der minuziös ein Bild freilegt, indem er nie über seine

Machart, immer über das Sichtbare spekuliert und sofort Mord und Totschlag vermutet, wo das Bild seine Deutung versagt. Bei Frank James Willens, dem Kalifornier in Berlin, der für  Tomi Paasonen und Felix Ruckert tanzte, verselbstständigen sich am Anfang ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 49
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Filiz Sizanli, Mustafa Kaplan tanzen «Graf»

In der Türkei entscheiden sich eine angehende Architektin und ein zukünftiger Elektronikingenieur für eine Karriere auf dem Tanzboden. Das sieht man. In "Graf" von ­Filiz Sizanli und Mustafa Kaplan spannt sich unter kalten Neonröhren ein Netz aus Schnüren über die Bühne. Mag sein, dass dieses Labyrinth dem mediterranen Stil der Stromversorgung entspricht. Kaplan...

Christina Ciupke

Es gibt Kometen, die hell aufblitzen, ehe sie verglühen. Und Fixsterne, deren konstantes Leuchten darüber hinwegtäuscht, das sie sich mit lichtjahrelangem Atem fortbewegen. Christina Ciupke (der Vergleich mit einem Himmelskörper sei erlaubt) gehört zur Gattung der Fixen am Firmament. Dem Flüchtigen des Tanzes setzt sie Kontinuität, Beharrlichkeit, Radikalität, auch...

Sucht das Talent

Es war einmal, lang her, Juli 1981 im italienischen Polverigi: Geburtsstunde der europäischen Netzwerker, des Informal European Theatre Meeting (IETM), das sich seit 2005 das «International network for contemporary performing arts» nennt. Bei Wein und Spaghetti beschloss man im Garten der Villa di Polverigi, eine Lobby «für» talentierte Künstler zu gründen, die...