La Ribot «Another distinguée» in Madrid

Tanz - Logo

Eins muss man ihr lassen. 23 Jahre blieb sich die in Genf lebende Spanierin selber treu. Sie macht, was sie immer tat, auch wenn eine in den 1990er-Jahren geborene Zuschauerin genervt ausruft: «Das ist ja so was von Neunziger!». La Ribot mit feuerroten Locken und der Konzentration einer Zirkusdompteurin ist bekannt für ihre «distinguierten Stücke», kleine Aktionen, die sie streng durchnummeriert mit Titeln versieht wie «Pièce distinguée n°50, Super Romeo Music: Refraction I, No inc, (Materiel Object and Atom™)».

Zu sehen sind zwei nackte Herren mit Perücke unter einem weißen Laken. Fuß an Fuß liegen sie da. La Ribot schneidet das Laken entzwei. Kommt sie zur Perücke, schneidet sie auch diese entzwei. Eine kalte Obduktion. Zur Belohnung gibt es «Pièce distinguée n°52»: La Ribot macht einen Kopfstand, spreizt ihre Beine. Die Herren schneiden die ihnen dargebotene Hose der Dame auf und markieren wie Chirurgen eine Schnittlinie von Ferse zu Ferse, über beide Schenkel hinweg.

Natürlich ist das Neunziger. Damals empfand man den Körper als Objekt diverser Zurichtungen oder als eine vom Fortschritt bedrängte Restnatur, mit der willfährig, aber auch erotisch herausfordernd umgegangen wurde. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2017
Rubrik: Kalender, Seite 48
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Freie Szene Berlin

Das Berliner Kunstvolk kann kämpfen. Es weiß, wie man sich positioniert, zu den Waffen greift und wie es den Hintern bewegen muss, um Erfolg zu haben. In Berlin gibt es eine Koalition der freien Szene. Wo andere Städte oft noch im Quark stecken, um der freien Szene überhaupt ein Gesicht zu geben (von Stuttgart und Dresden einmal abgesehen), ist in Berlin etwa der...

Gesellschaftstanz, Flexible silence, Lemi Poifasio, Márcia Haydée

gesellschaftstanz

Chiffon und Pailletten für sie, Frack und Fliege für ihn, viel Schminke und Haarspray für beide – so sieht das Klischee aus, wenn die Rede auf Gesellschaftstanz kommt. Dabei ist die soziale und sportive Inszenierung auch mit der Kunst verbandelt. Das Bild hat sich gewandelt, alte Zöpfe wurden abgeschnitten (oder doch ordentlich gekürzt). Was es...

Jecke Schneisen

«City Dance Köln» durchquert die Stadt. Menschen kommen von den Ortsrändern her über den Fluss, ziehen durch Straßen und Parks, betanzen ungewohnte Orte. «City Dance Köln», das war vergangenen Spätsommer ein Projekt der Kölner Choreografin Stephanie Thiersch. Es stiftete spontanes Miteinander zwischen Passanten und Tänzern. Es lud dazu ein, sich die städtische...