sex, drogen und bloß keine ekstase

«La Péri» versinkt am Berliner Staatsballett in Anmut, anstatt den Orient in vollen Zügen zu genießen

Am 10. Juli 1843 gewährte der Schriftsteller, Kritiker und Librettist Théophile Gautier den Lesern der Zeitung «La presse» Einblicke in sein Haschischparadies: «Noch nie hatte ich ein solches Glücksgefühl erlebt. Ich löste mich auf, war so weit entfernt von mir […] dass ich zum ersten Mal die Existenz der Elementargeister verstand, der Engel und der vom Körper getrennten Seelen.» Schockiert hat er sein Publikum damit nicht. Seit Jahrzehnten waren Drogen bereits ein Fixstern am Kreativhimmel der Pariser Boheme, wie auch sonst alle Kunstgenres in orientalischen Sujets schwelgten.

 

Die Orientalistik, seit 1795 akademische Disziplin, und vor allem der Ägyptenfeldzug Napoleons drei Jahre später entfesselten eine neue Leidenschaft für den «Orient der Seele» (Paul Valéry). Im Schlepptau der französischen Truppen verfassten Gelehrte eine 24-bändige «Description de l’Égypte», die, genau wie die Märchen aus 1001 Nacht, die Fantasien der Daheimgebliebenen entzündeten. Deren Neugier freilich wurzelte, so der Architektur- und Kunsthistoriker Stefan Koppelkamm, im «narzisstischen Interesse an der eigenen Kultur», die nach Gegengiften zum Ennui des Alltags lechzte. Die allenthalben aufblühenden ...

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Tanz April 2010
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Dorion Weickmann

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