abschied: jochen schmidt

Noch am 10. September ließ Jochen Schmidt in einer E-Mail verlauten, dass er drei Wochen lang im Krankenhaus gelegen habe – und es nur verlassen habe, so schrieb er ohne jede Larmoyanz, um sich «aufs Ende vorzubereiten. Wann das sein wird, kann niemand vorhersagen, vielleicht in ein paar Wochen, vielleicht habe ich noch etwas mehr Zeit. Sicher ist: Aufführungen werde ich nicht mehr sehen können.»

Sich damit abzufinden, das ist ihm fraglos schwer geworden. Schmidt war zeitlebens einer der «erfahrensten» Kritiker in unserem Land.

Kein Weg, auch nicht nach Taiwan, war ihm zu weit, um Schritt für Schritt den Werdegang ihm wichtiger Choreografen zu verfolgen. Ihre Arbeit auf anschauliche Art zu beschreiben, das war ihm Bedürfnis; ihre Ästhetik zu erfassen und sie im Zusammenhang zu positionieren: eine Selbstverständlichkeit. Nicht zufällig nennt er sein Hauptwerk eine etwas eigenwillige «Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts in einem Band». 101 Choreografenporträts bezeugen darin nicht bloß eine immense Belesenheit und Kenntnis selbst entlegener Werke. Sie machen auch die Kriterien sichtbar, nach denen sein Urteil erfolgte.

Schmidt war weit mehr als nur ein Chronist der laufenden ...

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Tanz November 2010
Rubrik: menschen, Seite 28
von Hartmut Regitz

Vergriffen