Köln: «AriadneAmore»

Emanuele Soavi: «AriadneAmore»

Im Sommer 2013 stückelte Emanuele Soavi seine «Metamorphosis!» ins Kölner Römisch-Germanische Museum: ein Picknick mit zweideutiger Baguettestange, ein agiles Pärchen hinter einem niedrigen Steintor, eine Tänzerin mit Klamotten zwischen Vitrinen mit Miniaturskulpturen ohne Arm oder ohne Kopf, eine Gruppenchoreografie um Daphne und Apollo. Ein toller Ort für Tanz, wenn Absprachen mit Museen nicht so mühsam und Aufführungen wegen des Wachpersonals nicht so teuer wären.

«ARIADNEamore», den Schlussteil seines Mythenprojekts, brachte der Kölner Choreograf mit seiner INCompany dann bei den Festspielen Ludwigshafen im Theater im Pfalzbau heraus. Ariadnes Faden hat einst Theseus nach dem Mord an Minotaurus aus dem Labyrinth geholfen. Aber Soavi verweigert den roten Faden. Das verwirrt beim Zuschauen, aber befreit den Tanz von festen Zuschreibungen und liefert einen heutigen Blick auf die verknäuelten Versionen der Mythen. «Ariadne» scheint den Fortgang der Zeit aufzuhalten, ähnlich einer labyrinthischen Kreisform oder nie alternden Archetypen. Vorwärts läuft die Aufführung, aber der Tanz zeigt oft ein Zurücklaufen und -beugen. Oder es buddeln Tänzerinnen-Arme. Nach Vergrabenem? Im ...

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Tanz März 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Melanie Suchy

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