Lisa Gottwik, Tatjana Hölbing in «Quartett»; Foto: Matthias Baus
Koblenz: Steffen Fuchs, Andreas Heise, Ihsan Rustem «Gefallene Helden»
Und sagte kein einziges Wort. Im Theaterstück von Heiner Müller lässt sich die Marquise nicht den Mund verbieten. Im «Quartett» von Steffen Fuchs dagegen, ein Ballett nach der gleichnamigen Vorlage von Heiner Müller, ist die Merteuil völlig verstummt. Unwirklich langsam gleitet sie anfangs über die Bühne, bevor sich kurzfristig der himmelblaue Vorhang zum ersten Mal schließt.
Sobald er sich wieder öffnet, sitzt sie zunächst noch ohne männliches Pendant an einer üppig gedeckten Tafel: eine gealterte Frau in adliger Robe, die sich selbst zelebrierend ganz in ihrer Vergangenheit verliert.
Der Eindruck täuscht. Auch wenn diese Marquise fast fossilhaft erstarrt, verkörpern sich ihre Gedanken in Lisa Gottwik doch auf überaus lebendige Weise. Von aller Zeitbezogenheit befreit, erlebt die Tänzerin Choderlos de Laclos‘ «Gefährliche Liebschaften» sozusagen am eigenen Leib. So wie sich Emmerich Hugo Schmollgruber wenig später nicht nur in Valmont verwandelt, ihren einstigen Geliebten, sondern sich auch noch in dessen Traumfrau, Madame de Tourvel, hineinfühlt, erspürt auch Lisa Gottwik in sich sowohl die Intrigantin Merteuil wie deren naives Opfer Cécile: ein höchst diffiziles, ja nachgerade ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz
Hinter dem dunklen Wirbeln von «Bombyx mori», einem Trio der polnisch-französischen Choreografin Ola Maciejewska, verbirgt sich eine göttliche Geschichte: In der ägyptischen Mythologie entstand das Jenseits als Folge des Mordes an Osiris durch seinen finsteren Bruder Seth. Dieser verteilte die zerstückelte Leiche des Opfers über das gesamte Gebiet Ägyptens. Osiris’...
Trotz der programmatisch gesetzten Farbigkeit – bei welchem deutschen Tanzfestival sieht man sonst Stepp und Cirque Nouveau einträchtig nebeneinander? – ziehen sich durch das «Colours International Dance Festival» in Stuttgart doch bestimmte Themenstränge. Bei der zweiten Ausgabe im Sommer 2017 war das neben einem breiten Spektrum weiblicher Choreografen und...
Es hilft nichts. Kein Rappeln, Rütteln, Reißen. Kein «Sesam, öffne dich!». Das Garagen-Rolltor klemmt. Passanten gucken schon komisch. Der Zutritt zur Homebase der Ben J. Riepe Kompanie bleibt mir verwehrt. Da muss schon der Meister selbst, per Handy aktiviert, herbeieilen. Riepe grinst in seinen blond-roten Vollbart: «Es geht allen so, aber wir können das Tor...
