Lisa Gottwik, Tatjana Hölbing in «Quartett»; Foto: Matthias Baus

Koblenz: Steffen Fuchs, Andreas Heise, Ihsan Rustem «Gefallene Helden»

Und sagte kein einziges Wort. Im Theaterstück von Heiner Müller lässt sich die Marquise nicht den Mund verbieten. Im «Quartett» von Steffen Fuchs dagegen, ein Ballett nach der gleichnamigen Vorlage von Heiner Müller, ist die Merteuil völlig verstummt. Unwirklich langsam gleitet sie anfangs über die Bühne, bevor sich kurzfristig der himmelblaue Vorhang zum ersten Mal schließt.

Sobald er sich wieder öffnet, sitzt sie zunächst noch ohne männliches Pendant an einer üppig gedeckten Tafel: eine gealterte Frau in adliger Robe, die sich selbst zelebrierend ganz in ihrer Vergangenheit verliert.

Der Eindruck täuscht. Auch wenn diese Marquise fast fossilhaft erstarrt, verkörpern sich ihre Gedanken in Lisa Gottwik doch auf überaus lebendige Weise. Von aller Zeitbezogenheit befreit, erlebt die Tänzerin Choderlos de Laclos‘ «Gefährliche Liebschaften» sozusagen am eigenen Leib. So wie sich Emmerich Hugo Schmollgruber wenig später nicht nur in Valmont verwandelt, ihren einstigen Geliebten, sondern sich auch noch in dessen Traumfrau, Madame de Tourvel, hineinfühlt, erspürt auch Lisa Gottwik in sich sowohl die Intrigantin Merteuil wie deren naives Opfer Cécile: ein höchst diffiziles, ja nachgerade ...

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Tanz November 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz

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