Knoten entknoten

Choreografisches Denken in öffentlichen Dialogprozessen.

Ich bin auf zwei Feldern tätig – Tanz und Konfliktlösung. Die Arbeit von Tänzern und Choreo-grafen beinhaltet körperliches Denken und sich choreografische Strategien auszudenken, um Ideen eine kommunikative Form zu geben. Die Arbeit eines Konfliktspezialisten zielt darauf, Menschen im Konfliktfall dabei zu helfen, dass sie miteinander über einmal erkannte Grenzen hinweg wirksam kommunizieren können.

Als ich anfing, Konflikte zu bearbeiten, hatte ich schon 30-jährige performative und schöpferische Erfahrung in Tanz und Theater hinter mir, die meiste Zeit davon beim Ballett Frankfurt und bei der Forsythe Company, ebenfalls in Frankfurt. Ich wusste um die Subtilität und die Macht körperlicher Prozesse, wenn es darum geht, Erfahrung zu ermöglichen und im Kontext einer Performance Veränderungen auszulösen. Aber ich lehnte anfangs die Idee ab, choreografische Strategien im Konfliktbereich zu nutzen. Ich fürchtete, dass mir eine Zusammenführung der Arbeit beider Bereiche nichts als einen verwässerten, wirkungslosen Mischmasch bescheren würde.

Nach einer Phase von «trial and error» im Bereich der Konfliktlösung, insbesondere in der Arena des öffentlichen Dialogs, stellte ich fest, dass ich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Körper: Im Wandel, Seite 70
von Dana Caspersen

Weitere Beiträge
Zwischenreich

Eine dem Autor beruflich lange verbundene Grafikerin seufzte einmal: «Warum eigentlich dürfen bei Publikationen zum zeitgenössischen Tanz nie Tanzfotos verwendet werden?» Ihre Kümmernis bezog sich auf den damaligen Trend, alle möglichen Bewegungsphänomene zu zeigen, nicht aber choreografische Szenen auf der Bühne. Die Abneigung gegen Tanz-Illustrationen mag sich...

Die Hoffnungsträger

aus Montréal, eigentlich längst eine Veteranin unter den kanadischen Tänzerinnen und Choreografinnen, hat jüngst mit einem Solo-Auftritt in Catherine Gaudets «Pluton, Acte 1», einer Produktion der choreografischen Plattform «La 2e Porte à gauche», überrascht. Sie beginnt ihren Part mit einem Flüstern, das sich zum Brabbeln eines Kleinkindes und schließlich zu...

Die Hoffnungsträger

Der moderne Flamencotanz hat viele Gesichter. Die Generation der in den 1970er-Jahren Geborenen hat einiges verändert und viele Türen geöffnet. Die jüngste Generation kann schon darauf aufbauen und kennt viele Tabus nur mehr vom Hörensagen. Es geht nicht darum zu provozieren, sondern darum, seine Freiheit zu leben.

Manuel Liñán stammt aus Granada, ist durch die...