nackte angst

Über einen Beweggrund

Ohne Angst kein Tanz. Sie ist überall. Aber niemand spricht über sie. Erst wenn man gezielt nach ihr fragt und ein bisschen bohrt, heißt es: Ja, klar, die kennt man doch, jeder kennt sie. Aber sie führt ein Leben im Untergrund. Ist ein Tabu. Das macht sie mächtig, machtvoller wahrscheinlich als die Liebe, die sich für Geschichten eignet mit Anfang, Mitte, Höhepunkt, Ende – und entsprechend häufig in Choreografien verhandelt wird. Die Angst ist keine Story, die sich in die Hand nehmen und versüßen oder versalzen ließe mit künstlerischen Mitteln. Sie hat ein anderes Timing.

Sie ist zu groß, zu tief. Wohl ist sie Teil jeder Story, aber nie ihr Ganzes. Sie äußert sich als Scheu vor der Begegnung oder dem Unbekannten, als Angst vor dem Verlust des Geliebten, als Sorge ums eigene Leben oder das der Nächsten. Es gibt choreografisch-tänzerische oder gestische Formen fürs Bangen oder Erschrecken und die daraus resultierende Lähmung oder Verzweiflung oder den plötzlich wachsenden Mut.

opfer-ritual
Hauptrollen bekommt die Angst nicht. Mit einer Ausnahme, und die betrifft ein getanztes Ritual: Ist nicht das «Frühlingsopfer» aus der Angst einer Gemeinschaft geboren, nicht bestehen zu können vor ...

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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Kleine Anlässe, große Wirkung, Seite 114
von Melanie Suchy