Karlsruhe: Germinal Casado «Carmina Burana»

Ein halber Abend und am Ende doch ein ganzer. 1983 stellte Germinal Casado seiner Uraufführung das «Gloria» seiner Ballettmeisterin Madeleine Bart voran. Diesmal stehen die «Carmina Burana» allein auf dem Programm, werden dafür allerdings unter Leitung von Daniele Squeo live musiziert: hinter einem durchsichtigen Gazeschleier auf der Bühne, der das aufgemalte Schicksalsrad wie ein Al-Fresco-Bild erscheinen lässt – seinerzeit entworfen von Casado himself, der erst Grafikdesign und Kunstgeschichte studiert hatte, bevor er als 18-Jähriger zum Tanz fand.

Vor gut zwei Jahren ist der einstige Ballettdirektor des Badischen Staatstheaters gestorben: ein Anlass für die derzeitige Direktorin Birgit Keil, sich seiner zu erinnern – und das mit der Rekonstruktion eines Balletts, das er selbst zu seinen «besten Entwürfen» zählte: überschäumend vor Lebenslust, dabei streng geformt und voller Bravour. Natürlich lässt sich der Einfluss von Maurice Béjart erkennen, dessen Interpret er einst in «Le Sacre- du printemps» gewesen ist. Doch Casado gelingt es hier immer wieder, aus dem Schatten seines Meisters herauszutreten und die «musikalische Sintflut», wie er Orffs szenische Kantate charakterisiert, ...

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Tanz Juli 2018
Rubrik: Kritik 7/18, Seite 41
von Hartmut Regitz