gender

Warum treten Frauen und Männer – außer im Tennis – nie offiziell gemeinsam an? Und warum hebt der Mann im Tanz die Frau, wenn es doch umgekehrt genauso möglich ist?

geliebte stereotypen
Weinende Männer sieht man so gut wie nie in der Öffentlichkeit. Es sei denn, es ist Fußballweltmeisterschaft. Da gibt es sie plötzlich zuhauf mit Tränen in den Augen, Männer, die ihren Emotionen freien Lauf lassen. Ziemlich «unmännlich», könnte man meinen, ginge es nach jenen Vorstellungen, die seit Jahrhunderten festlegen, wie Männer und Frauen zu sein, auszusehen und sich zu benehmen haben.

Bei den Olympischen Spielen dann präsentieren sich mit Medaillen behängte, kräftige Frauen: Amazonen – mackerhaft auf dreistufigen Treppchen, die Arme zur männlichen Siegerpose erhoben.

Der Sport befördert Geschlechterstereotype und fordert sie zugleich heraus. Wie der Tanz. Den ephemeren männlichen Erscheinungen des Klassischen Tanzes unterstellte man einst Verweichlichung, eine Empfindsamkeit und Empfindlichkeit, die eher dem weiblichen Naturell zugeschrieben wurde. Durchtrainierte Tänzerinnen heute sind dagegen dünn und drahtig, dass man ihnen glatt das «Frausein» absprechen könnte.

Beide, Sport und Tanz, unterlaufen die Klischees von Mann und Frau – und bedienen und bedingen sie zugleich im höchsten Maß. Wie bei allen Stereotypisierungen spielen auch hier die Fragen nach ...

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Tanz Jahrbuch 2012
Rubrik: kampfzonen, Seite 86
von Elisabeth Nehring