Ulm: spota, scafati «wanderers», «lascia che accada»

Ein Zirkusdirektor streicht durchs Ulmer Premierenpublikum und wartet gelangweilt auf den Beginn der Aufführung. Zum Johlen und Klatschen eines Rockkonzerts schickt Giuseppe Spota seinen Spielmacher endlich hinauf an die Rampe, noch ein wenig marionettenhaft kommt der weißgesichtige Bajazzo in Gang, überblickt von den Schultern seiner kleinen Truppe herab die leere Bühne und schnippt, endlich Erwartung statt Ennui im Blick, mit dem Zirkuslicht die Illusionen an.

Das fahrende Volk der Künstler hat Spota mit seinen «Wanderers» im Blick, eine unbestimmte Rast- und Heimatlosigkeit weist über das konkrete Thema hinaus.

Zwei lange Lichterketten sind die einzige Dekoration, die zehnköpfige Kompanie glitzert in ihren Fräcken und gestreiften Westen eher berufsmäßig denn aus Überzeugung vor sich hin. Wie im Zirkus folgt Nummer auf Nummer, und dennoch spannt sich ein Bogen durchs Stück. Jede der Szenen ist choreografisch anders gefärbt: mit heftigen Hebungen oder nah am Boden, zeichenhaft oder durch Mittel des Schwarzen Theaters, selbst Spuren von Popping und Locking laufen durch die Arme.

Wie Flugartisten vor dem Auftritt reibt sich ein Paar die Hände dick mit Magnesia ein – sie heben nicht ...

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Tanz Dezember 2015
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Angela Reinhardt