Karlsruhe: Reginaldo Oliveira «Anne Frank»

Kann man den Deutschen den Holocaust vortanzen? In erstaunlich eindrücklichen Bildern führt ein junger brasilianischer Choreograf, geboren in der Favela, seinem bewältigungserfahrenen Publikum das berühmte Tagebuch vor Augen, das vielen Jugendlichen noch heute ihre ersten Eindrücke vom Schrecken des Nazi-Regimes vermittelt.

Sollten die hier herausfinden, dass auch der Tanz solchen Schrecken aufzeigen kann, dann wäre das ein genauso willkommener Effekt wie der Schritt, den das klassisch orientierte Badische Staatsballett damit wagt: weg vom virtuosen und hin zu einem stärker am Theater orientierten Tanz. 

Reginaldo Oliveira, selbst Mitglied der Kompanie, kann klar erzählen. Er erklärt in Rückblicken, parallelen Bildern oder kurzen Fantasien die Kausalität der Ereignisse, zeigt das beengte Leben im holländischen Dachbodenversteck. Manchmal geraten ihm Struktur und Ästhetik noch zu einfach, aber es ist eine aufrichtige, keine prätentiöse Naivität der Erzählung. Eine, die zum Buch eines gerade erwachsen werdenden Kindes passt. 

Der vermeintlichen Harmlosigkeit von Strandurlaub und Jungmädchenträumen, der angesichts der fortschreitenden Verzweiflung der Erwachsenen so starken Zuversicht ...

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Tanz Juni 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Angela Reinhardt