potsdam: Brandstätter, Gerbes: «Festina Lente»

Es sind wohl 40 Leute, die in den Berliner Uferstudios auf fünf Tänzer treffen. Man erklärt uns vorab schriftlich, dass wir die folgende Choreografie beeinflussen würden, falls sich unsereins an die Regeln hielte: Wir werden zählen. Sagt jemand «Eins», soll ein nächster Unbestimmter «Zwei» sagen. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass gleichzeitig zwei Personen «Zwei» sagen werden. In diesem Fall begännen der Tanz und das Zählen wieder von vorn. Die fünf Tänzer machen erst mal gute Figur, erzeugen mit jeder Zahl eine neue Konstellation.

Sie wiegen uns in Sicherheit, dass jede korrekte Zahl zu einer neuen Fünfer-Konstellation auf dem Tanzteppich führt. Bemerkenswert ist, wie respektvoll sich die Zuschauer konzentrieren, um beim Zählen fehlerfrei die Choreografie nach Kräften bis «Einhundert» fortzuschreiben. Als zwei Personen versehentlich die Zahl «Vierundvierzig» gleichzeitig rufen, geht ein Stöhnen durch die Menge. Wir beginnen wieder bei «Eins».

Das System scheint simpel. Die Regel sieht auch nicht nach Theater aus. Aber gesetzt, alles Theater handelt von Herrschaft und Unterwerfung, von Erfolg durch Folgsamkeit, dann machen derlei Theaterspiele die Mechanismen ...

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Tanz Januar 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann