paris: Xavier Le Roy: «Retrospective»

Eine «Retrospective» wirkt, erst recht versal geschrieben, immer bombastisch: Rückblick auf 15 Jahre geniales Schaffen. Bereits in den Titeln seiner Soli zeigt sich die Entwicklung dieses großen Tanzkünstlers: von «Self Unfinished» (1998) zum «Product of Other Circumstances» (2009), eine Lebensreise vom ungeschliffenen französischen Tanzerneuerer zum pontifikalen Diener des postmodernen Tanzdiskurses. Aus dem nackten Mann, Xavier Le Roy, der als kopflose Gliederpuppe Staunen machte, wurde ein Dirigent seiner selbst (in «Le Sacre du printemps», 2007).

Der studierte Molekularbiologe, der mit analytischem Handwerkszeug den Tanz unter die Lupe nahm, ist nun reif fürs Museum. «Retrospective» entstand für die Antoni Tapiès Foundation in Barcelona, zuletzt war sie zum «Sommertheater»-Festival in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen, im leeren Raum einer Gemäldeausstellung. Dieses «lebende Tanzmuseum», im Sinne seines Erfinders, des Le-Roy-Freundes Boris Charmatz, bezieht nun Stellung im Centre Pompidou in Paris.

Xavier Le Roy wird nicht anwesend sein. Der Künstler tritt, wie in der bildenden Kunst üblich, hinter sein Werk zurück. Stattdessen gellen neun junge Tänzer immer dann Alarm, ...

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Tanz Februar 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann