nürnberg: Goyo Montero: «Der Nussknacker»

Wie man es von diesem Weihnachtsballett gewohnt ist, zeigt auch die Nürnberger Version mehr Pantomime als Tanz. Mit Masken, Puppen und unheimlichem Getier bleibt der Klassiker bei Goyo Montero ein fantasievolles Tanzmärchen, aber der spanische Choreograf erzählt es als erstaunlich aktuelle Geschichte eines bösen Mädchens, in Bildern von großer Symbolkraft und düsterer Poesie.

Der Weihnachtsbaum steht auf dem Kopf: Mit einem Sprung ins Freudsche Unter-bewusstsein und die Traumdeutung wird Claras Geschichte hier aus E. T. A.

Hoffmanns märchenhaft-dunkler Erzählung erklärt, in der Menschen mit den Mäusen ums Essen kämpfen und hässliche Kinder durch Liebe erlöst werden müssen. Die beißende, fauchende Clara ist ihren Eltern unheimlich, wird mit Geschenken auf Distanz gehalten und reagiert immer garstiger. Den Nussknacker, eine lebensgroße Gliederpuppe aus Holz, reißt das Kind in geradezu mörderischer Wut auseinander. Erst die schwarze Fatumfigur Drosselmeyer, gespielt von der androgynen Jaione Zabala, dringt hinter die Maske des unglücklichen Kindes, das Marina Miguélez so trotzig wie traurig verkörpert.

Denn im Divertissement des zweiten Akts beginnen die Nussknacker-Einzelteile zu ...

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Tanz Februar 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Angela Reinhardt