niederlande: T.R.A.S.H.: «Agnes und Ekel»

Ein Mann liest seelenruhig ein Buch, während vor ihm eine Frau fast ertrinkt. Doch ist das überhaupt eine Frau? Die langen, knallroten Haare weisen sie eher als Fantasiewesen aus, vielleicht eine Nixe, deren Fuchteln und Wirbeln möglicherweise nicht dem Schrecken vor dem Wasser entspringt, sondern dem Aufbegehren gegen das Landen. Wie soll sie jetzt atmen? Gehen? Der Boden unter ihr ist hellblau, darauf liegen Flocken wie Gischt oder Schnee, die sie aufstört, am Rand lagern vier kleine Boote wie am Ende einer Reise. Oder Anfang.

Als die Nixe Mantel, Feuerkopf und, nach kurzem Rammeln mit einem Weißhaarigen, die Unschuld los ist, hebt sie einen Arm wie ein Ballettschwan. Einen.

Solche Figuren an Zwischenorten sind typisch für Kristel van Issum und ihr T.r.a.s.h.-Theater aus Tilburg. Dieselbe Tänzerin, Lucie Petrušová, war auch in «T. †Bernadette» eine verlorene Seele, eine gestrandete Meerjungfrau am Waschvollautomaten mit Mann. Das Irrationale macht die T.r.a.s.h.-Stücke nicht leicht zu entziffern, aber faszinierend, auch ihre bittere Frechheit und die starken Performer tragen dazu bei. Außerdem wird immer live musiziert, diesmal mit Akkordeon und Trompete.

«Agnes und Ekel» klingt ...

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Tanz November 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Melanie Suchy