kassel: Chris Haring, Johannes Wieland: «Readymades»

Diesmal hat Kassels Tanzchef Johannes Wieland den Wiener Choreografen Chris Haring eingeladen, der mit Künstlerkollegen als Liquid Loft seit 2005 absolutes Formbewusstsein beweist. Mit zwei Stücken von jeweils knapp einer Stunde Dauer ist der Abend nicht eben klein geraten. Zudem sind «White Noise Tragedy» von Wieland und «Lego Love» von Haring unter dem Übertitel «Readymades» ungewöhnlich gut aufeinander abgestimmt, haben doch beide nicht wenige – aber auch nicht zu viele – Ähnlichkeiten und Bezüge. Es sind eher zwei Kommentare zu einem Thema.

In der bildenden Kunst ist ein Readymade ein Alltagsobjekt, das in einem bewusst neu erstellten Kontext zum Kunstwerk wird. Hier spielen zwei Choreografen mit den banalen Readymades des Lebens, mit Posen und Grimassen, mit schematisierten Gesten und Bewegungsfolgen. Das aufreizend übergeschlagene Bein, das starre, zähnefletschende Plastik-lächeln, sie können auch im Alltag in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden – und vielleicht werden sie darum auch manchmal zur Kunst. Meist aber entlarven sie die Poseure selbst.

Wielands «White Noise Tragedy» eröffnet den Abend mit einem sportlichen Auftritt der 17 Tänzer samt Gästen. Sie tragen ...

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Tanz Juni 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Sylvia Staude