berlin: Laurent Chétouane: «Hommage an das Zaudern»

Das Zaudern lasse sich verstehen als «Ereignisrückstand im Ereignis», schreibt der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl in seinem Buch «Über das Zaudern», als «latenter, insistierender Vorbehalt in dem, was getan und erlitten wird, was sich manifestiert und tatsächlich passiert». Es markiert eine Zäsur, in der das, was geschehen wird, noch nicht ganz entschieden ist und so sich die Potenzialitäten ballen. Vogls Gedanken bilden einen wichtigen Referenzpunkt für das jüngste Stück von Laurent Chétouane, das am Tanzquartier Wien uraufgeführt wurde.

Wie Vogl sieht der französische Regisseur und Choreograf im Zaudern nicht das Zögern der Verzagten, sondern das kritische Körnchen im Getriebe der effizienten Handlungslogik.

Drei Männer, die beiden Tänzer Joris Camelin und Rémy Héritier sowie der Pianist Jan Burkhardt, machen sich in «Hommage an das Zaudern» daran, dem Zaudern seinen Platz auf der Bühne zu geben. Als Erster kommt Héritier in weißem T-Shirt und schwarzer Leggins, barfuß, hebt einen Arm, legt sich hin, steht auf, dreht, geht zu Boden. Camelin in heller Hose und beigefarbenem Pulli springt, geht auf die Knie, legt sich hin. Beide stehen auf. Ihre Bewegungen sind verhalten, nicht ...

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Tanz Februar 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Katja Schneider