Mathilde Monnier: «Pavlova 3’23»

in Essen

Noch im Saal, direkt nach der Vorstellung, erklärt sich ein Kollege «unfähig, auch nur zwei Zeilen zusammenzureimen». Mein lieber Schwan! Der Herr muss den Tod mit aller Macht verdrängen. Wann sonst sieht man in 60 Minuten neun Menschen auf einer Tanzbühne sterben? Das gesamte Personal! Das kann man tragisch finden, pathetisch, schablo­nen­haft. Es hängt auch davon ab, aus welcher Position man die Todgeweihten begleitet. Eine weitläufige Arena wie das Pariser Théâtre de la Ville bietet nicht die bes-ten Voraussetzungen.

Das Stück wurde auf das mittelgroße Studio in Montpellier zugeschnitten. Mathilde Monnier inszeniert wie immer Menschen im Alltag und räumt auf mit jeglichem Pathos. Wenn sie uns aber im Titel die vergilbten, ätherischen Szenen von Anna ­Paw­lowa oder Maja Plissezkaja in Erinnerung ruft, ist der Bruch umso krasser. Wer war eigentlich mutiger, sie oder Michail Fokin? Der Russe wollte vor etwas mehr als einem Jahrhundert formellen Zwängen der Institution entkommen. Heute stößt es niemanden mehr vor den Kopf, wenn Interpreten das Sterben improvisieren. Aber Monnier überlässt nichts dem Zufall und schafft strikte Strukturen, mit fließenden, aber präzisen Übergängen ...

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Tanz März 2010
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Thomas Hahn

Vergriffen