Johann Kresnik: «Felix Nussbaum»

in Osnabrück

70 Jahre und kein bisschen Weise: Auch im neuesten Beispiel choreografischen Theaters setzt Johann Kresnik eine Nackte in die Torte. Ohne mit der Wimper zu zucken, streckt ein SS-Scherge eine Frau nieder, während andere mit der Kreissäge die Köpfe der Inhaftierten «rasieren». Ungerührt schminkt sich währenddessen Rudolf Höß, Lagerkommandant im Konzentrationslager Auschwitz, ein paar Perversionen an, als ob der Banalität des Bösen nur so beizukommen wäre. Dabei sind es doch gerade ganz gewöhnliche Leute, die den Holocaust möglich gemacht haben.

Nicht ohne Grund hat Felix Nuss­baum, dem Kresnik und mit ihm sein Autor Christoph Klimke am Theater Osnabrück Tribut zollen, auf seinen Bildern die Täter ausgespart. Stattdessen zeigt er sich und die anderen als Opfer, malt 1944, bevor ihn die ­Nationalsozialisten in Brüssel aufspüren und nach Auschwitz deportieren, den «Triumph des Todes». Auch in dem Theaterstück ist von dem Gemälde immer wieder die Rede. Wirklich zitiert wird in «Felix Nussbaum» allerdings immer wieder ein einziges, vielschichtiges Selbstbildnis mit dem Titel «Soir», das den Maler zwei Jahre zuvor halb entblößt neben seiner nackten Frau zeigt: ein merkwürdig ambivalentes ...

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Tanz März 2010
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Hartmut Regitz

Vergriffen