Bern: estefania miranda «das schloss»

K. liegt am Boden und kann nicht mehr. Erschöpft ist er, erfroren im Schneesturm, in  jenem, der in seiner Seele tobt und in der Kälte des Dorfes. Estefania Miranda hat Franz Kafkas Roman «Das Schloss» ein Ende gegeben und dieses an den Anfang ihres Stücks mit der Tanzkompanie Konzert Theater Bern gestellt. Sie bezieht sich damit auf Max Brods Aussage, Kafka hätte seinen 1922 begonnenen Roman mit dem Erschöpfungstod des K. enden wollen. Und sie rollt von daher die sechs Tage des K.

in jenem abgelegenen Dorf auf, das von einem Schloss organisiert und strukturiert wird, von einer Macht, abwesend und anwesend zugleich. Von Kafka wissen wir, die Dorfbewohner mögen diesen Kerl nicht, der sich als Landvermesser hierher berufen glaubt. Von Miranda wissen wir, der Kerl mag sich selbst nicht. Wie sonst würde er bereits auf seinem Marsch durch den Schnee ins Dorf von der Mitte her auseinanderfallen und sich mühsam wieder in Position bringen? Da lauern dunkle Gestalten im Wald, die – so wird schnell klar – aus dem Innern des Protagonisten schleichend, ihm hinter jeder Wegbiegung auflauern.

Die psychologische Deutung ist naheliegend, doch Estefania Mirandas Stück lässt auch eine ...

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Tanz Dezember 2015
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Lilo Weber