Josef Nadj «omma»

Martigues on Tour

Acht Herren betreten die Bühne im Gänsemarsch, Schulter an Schulter. Ihre Anzuguniformen hauchen Soldatisches aus, aber sind einander zu nah. Die athletische Männlichkeit zerschmettert ein herzliches «La La La» aus ihren großen Mündern. Die Herren aus beiden Kongostaaten und aus Westafrika marschieren auf, zersingen ihr Soldatenlied, rufen «fekete», Schwarz, wie sie in Ungarn genannt werden, der zweiten Heimat des in Serbien geborenen Choreografen Josef Nadj. Schwarze sind nicht nur schwarz. Nicht nur Soldaten: Vor lauter Tanzen reicht’s hier eh nicht zum Soldatentum.

Alle Mann linksum. Marsch. Es ist ein Marsch, der aus zarten Soli zum Atem der eigenen Chorstimmen besteht. Man sieht: die zarteste Versuchung seit es Armeen gibt. «Omma» heißt das Werk, das durch Europa tourt, auch zur «Biennale Danza» nach Venedig. Omma ist griechisch und meint das, was man einem anderen anzusehen meint: Soldatentum, Schwulsein, Selbstbewusstsein – nichts ist notwendigerweise wahr. Omma meint: einen Eindruck. Ganz links in der Reihe steht ein Dicker, der zwar dick ist, aber schlagfertig und agil, sanft auch, ein Starker, der zum Klang der Zikaden kniefällig zu Boden geht. Und die anderen mit ihm: ...

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Tanz Dezember 2021
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Arnd Wesemann

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Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
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Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

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