Ich Bin Schuld

Wie choreografiert man, wenn ein System am Ende ist? Arnd Wesemann im Gespräch mit Jo Fabian, Franz Anton Cramer und Janez Jansa im Jahr 20 nach «unserer» DDR

Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer gingen zwei Länder Bankrott. Beide hörten auf denselben Namen: DDR. Das eine Land war ein Spitzelstaat, in dem sich die Bewohner im Namen der Satzung ihres Kleingartenvereins so lange gegenseitig denunzierten, bis keiner mehr da war. Das andere Land gleichen Namens war ein marodes Wirtschaftsunternehmen, das jede Hand brauchte, um den Traum von der Gleichheit und der Wohlfahrt für alle aufrecht zu erhalten.

Beide Länder gingen unter, weil sie sich vor der reichen Konkurrenz aus dem Westen nicht schützen konnten, obwohl die DDR ihr Volk doch erzog wie eine Mutter, die ihre Kinder vor allem Übel der Welt retten wollte, ihm aber mit Lenin auch zutiefst misstraute. «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser». Ein richtig deutscher Staat: zwei Seelen, ach.

Diese Seelen sitzen nicht rechts und links, solange im politischen Links- wie Rechtsaußen derselbe Schlag pocht: Solidarität, Abgrenzung, Sehnsucht nach einem Führer – «und sei’s ein Clown oder eine Frau». Das sagt Jo Fabian, der berühmteste ostdeutsche Choreograf der Wendezeit. Er ist ein Meister des Stillstands, der auf der Bühne «diesen Hang zu konsequent stationären Situationen» entwickelte, «so ...

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Tanz Oktober 2009
Rubrik: DDR, Seite 18
von Arnd Wesemann

Vergriffen