Jenseits

Tanzen mit dem dritten Auge. Zhang Yimou choreografiert atemberaubend «House Of Flying Daggers». Im Kino. Von Edith Boxberger

Im Kino: Sie ist blind, und sie ist eine Tänzerin, die beste im Pavillon der Pfingstrose. Zwischen hohen Trommeln stehend, zeichnet sie mit den langen Ärmeln ihres Kleides die Wege zugeworfener Bohnen nach, in weichen Schwüngen zuerst, dann als peitschende Hiebe, bis sie in einem Furioso von Farben und Flugbahnen fast ganz verschwindet. Tatsächlich ist Mei, gespielt von Zhang Ziyi (Fotos Constantin Filmverleih), nicht blind, und sie ist keinswegs nur der Star des Tanzhauses, das noch etwas anderes ist: ein Rebellennest.

Die zarte, schöne Mei ist eine Meisterin der Kampfkunst, die den Tod ihres Vaters, eines Rebellenführers zu Zeiten der Tang-Dynastie, rächen will.
Virtuos und visuell atemraubend umkreist der chinesische Regisseur Zhang Yimou in House Of Flying Daggers die Geschichte einer Liebe, die aus den tödlichen Fronten zwischen Staatsmacht und Widerstand erwächst, Fragen um Spiel und Wirklichkeit, Loyalität und Verrat, Moderne und Widerstand. Noch im nahenden Untergang der Aufrührer beschwören magische Momente das Uneindeutige, wie beim erbitterten Kampf in den höchsten Bambuswipfeln, der als entrückter Tanz vollendeter Schwerelosigkeit zelebriert wird.

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Tanz Februar 2005
Rubrik: Jenseits, Seite 78
von Edith Boxberger

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