Transition

Der Schlaf, die Zeit und der Tod: Jan Fabres «Requiem für eine Metamorphose», im Unruhestand seiner Entstehung betrachtet von Arnd Wesemann

Du musst ausgeschlafen sein, wenn du Leistung erbringen willst. Diese mütterliche Ermahnung stieß immer schon auf Widerspruch: Der Wunsch, endlich auszuschlafen, entspricht zu genau der Frage, warum man überhaupt etwas leisten soll. Was die Schule von einem will, wird an den Zeitpunkt ihres Unterrichtsbeginns geknüpft; man nennt das eine Verabredung. Wie die verabredete Uhrzeit einer Sitzung, eines Abflugs, eines Probenbeginns. Dieser Zeitpunkt ist der Feind des Ausschlafens.

Dass man diesen Zeitpunkt trifft, also recht-zeitig ist, simuliert allein schon eine Leistung, die sich allein der Überwindung des Schlafs verdankt.

So wird von klein auf gelernt, Schlaf zu überwinden. Schlaf hat nur einen Freund: Die Frage, warum man überhaupt etwas leisten soll. Man leistet, um etwas zu überwinden: Trägheit, Muße, die Zeit selbst. Leistung = Energie. Gemessen wird sie von Schulzeiten an in der Fähigkeit, in kürzester Zeit ein Maximum an Hausaufgaben und Trainingseinheiten zu erledigen. Um Zeit zu gewinnen, die unmöglich wieder an das Ausschlafen, an Trägheit und Muße verschwendet werden darf. Man kann nicht seine Energie für den gleichen Preis opfern, den es gekostet hat, sie zu ...

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Tanz Jahrbuch 2007
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 72
von Arnd Wesemann

Vergriffen