Aus der Stille

Komponieren für Stimme heißt für Chaya Czernowin oft: die semantische Kraft der Worte überwinden, Klangmaterial finden, das wegführt von genormter Kommunikation

Komponieren für Stimme heißt für Chaya Czernowin oft: die semantische Kraft der Worte überwinden, Klangmaterial finden, das wegführt von äußerer oder genormter Kommunikation. Nicht zufällig heißt ihr Durchbruchswerk «Pnima … ins Innere». Ein Stück ohne Text, ohne Handlung, ohne singende Protagonisten. Nicht um den Holocaust geht es, sondern um dessen Auswirkungen für die nächste Generation – die der Kinder, die das Schweigen ihrer Eltern hinterfragen. Chaya Czernowin (*1957) gehört zu dieser Generation.

Sie ist in Israel aufgewachsen, hat in Europa, Asien und Amerika gelebt und unterrichtet. Seit 2009 ist sie Professorin an der Harvard University. Im April kommt in Gent ihre neue Oper heraus: «Infinite now». Das folgende Gespräch ist ein Vorabdruck aus dem Buch «Komponieren für Stimme. Von Monteverdi bis Rihm», das in diesem Sommer im Bärenreiter-Verlag erscheint.

Frau Czernowin, wozu brauchen Sie Elektronik beim Umgang mit der Singstimme?
Elektronik ist ein bisschen wie ein Mikroskop. Wenn ich von einem Sänger will, dass er etwas flüstert, ist das nicht, weil Flüstern einen besonders schönen Klang ergibt, sondern weil es um Intimität geht. Auch ohne Verstärkung könnte man das ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Interview, Seite 42
von Stephan Mösch