Im Garten der Lüste

Stijn Celis: «Hidden Garden» in Bern

Tanz - Logo

«Take my lovely illusions», singt Marlene ­Dietrich. Wer noch Illusionen hat, ver­gisst sie am besten, denn bei Stijn Celis geht es gleich zur Sache. Zu Beginn seines Stücks «Hidden Garden» lässt der Berner Tanzdirektor die Tänzer nackt auftreten und muntere Blicke ins Publikum werfen. Der paradiesische Zustand dauert nicht lang. Bald liegen auch die Seelen und die Nerven blank. Die Frauen umwerben verzweifelt die zerstreut wirkenden Herren in den weißen Tutus. Die kecken Manöver des Werbens verwandeln sich in plumpe Anzüglichkeit, Unterwerfung, Erniedrigung und Selbstverletzung.

Der Titel ­«Hidden Garden» mutet in diesem Zusammenhang rätselhaft an, denn verborgen oder unausgesprochen bleibt an diesem Abend gar nichts.
Es geht um Liebe, Sehnsucht nach Entgrenzung zwischen Ich und Du, Projektionen und sexuelle Fantasien, Hingabebereitschaft und Zurückweisung. Da­rüber wird heftig und viel gesprochen. Das Sprechen scheint der Kompanie aber weniger zu liegen als das Tanzen, das oft eine Art Zurichtung, ein Kampf mit dem Körper ist. Unermüdlich werden Bewegungslinien gebrochen, die Glieder verschraubt, die Körperachsen verschoben.
Nur Hildur Óttarsdóttir wirbelt im ­bodenlangen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 41
von Martina Wohlthat

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die lichtscheue Gattin der Republik

Der Boulevard kreißte und gebar ein Skandälchen. Den alten Rampen-Revoluzzer Kresnik mag’s gefreut haben, dass die einschlägigen Blätter nach seiner gewagten «Hannelore Kohl» empört taten – anders als das Publikum. Wenn Helmut Kohl auch verlauten ließ, Kresnik miss­brauche die künstlerische Freiheit, so kam der Kanzler a. D. doch glimpflich davon. Der notorische...

“Joe” was a success, but the dancers didn’t got paid

Canada’s media proudly echoed the formidable success of Jean-Pierre Perreault’s Joe tour throughout Europe. At a cocktail party after a performance in London, a representative of the Que­bec Delegation humorously acknowledged the ambassadorial dimension of the 32 dancers’ role with the statement: “You did in one evening what I do in one year.” They were receiving...

A stream of sharp lines

Choreographer Nanine Linning is known for her often strong compositions and striking lighting designs. Alongside her work with the Scapino Ballet Rotterdam she continues to produce choreographies with her own foundation, Pipsters, for smaller theatres, including 2003‘s performance “Karpp?“ for dancers Iris Reyes and Mirjam ter Linden. This powerful but delicate...