Abendrot

Pierre Boulez, Claudio Abbado, die Komponistin Chaya Czernowin, ihre Kammeroper «Pnima» und ein «Ring» unter Jonathan Nott

Ist er es? Der geduckte Schatten, der da hinten durch eine Seitentür den «Luzerner Saal» des KKL betritt? Beinahe unbemerkt, den Oberkörper ein wenig nach vorn gebeugt, die Schultern verzogen, langsam, tastend, als schmerze jeder Schritt? Er ist es tatsächlich. Im März ist Pierre Boulez 88 geworden. Kein Alter für einen wie ihn, dachten wir. Für diesen ewig jugendfrischen, neugierigen Geist. Für diesen grenzenlos mobilen, produktiven Musikquerdenker, der als junger ­Rebell Schönberg für erledigt erklärte und als etablierter Aufrührer alle Opernhäuser in die Luft sprengen wollte.

Für diesen milde gewordenen Missionar der seriellen Avantgarde, ohne den die Musikgeschichte nach 1945 mit Sicherheit anders verlaufen wäre. Nichts würde die Energie, den Esprit dieses Klangarchitekten, Dirigenten, Anregers und Lehrers hemmen, hofften wir. Aber nun ist er, nach einem Sturz, doch an Grenzen gestoßen. Die Arme, die Gelenke spielen nicht mehr mit. Die Augen lassen nach. Stumm sitzt er da, in sich ruhend, entrückt, resigniert, als Mark Sattler, der fürs Zeitgenössische zuständige Dramaturg des Lucerne Festivals, im Rahmen der neuen Reihe «40min» mit der Geigerin Carolin Widmann und dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann