Ikonen

Was bleibt, wenn der Tanz zu Ende ist? Manchmal nur ein einziges Bild, in dem alles zusammenfließt: Gedanken, Gefühle, Träume, Erinnerungen: eben das Wesentliche. Wir haben Prominente um Fotografien und Geschichten gebeten, die diese Essenz festhalten

__________vaslav nijinsky

Tanz, das sind bewegte Bilder in Raum und Zeit. Eine Bewegung festhalten, heißt: sie zum Stillstand bringen. Auf dem Foto friert sie ein, stirbt vielleicht, dafür setzt sich die Regung, die dahinter steht, die Erregung, aus der sie kommt, frei.

Ich war noch ein Kind und hatte gerade meine Tanzausbildung angefangen, als ich die Fotografie von Vaslav Nijinsky in «L’après-midi d’un faune» zum ersten Mal sah. Sie hat mich sehr bewegt und seitdem nicht mehr losgelassen. In ihr schwingt mehr mit als das Gezeigte.

Der Inhalt steht plötzlich außerhalb der Tanzform, eine Atmosphäre schwingt über den Augenblick hinaus, den das Bild festhält. Es ist ein großer Moment in der Tanzgeschichte, in dem der Ausdruck in den Vordergrund rückt. Ein Aufbruch in eine neue Zeit.

Beim Betrachten des Bildes wurde mir bewusst: Für mich muss Tanz berühren, nicht nur gefallen, etwas im Zuschauer auslösen, sodass er das Gesehene aus der Sicht seiner eigenen Biografie wahrnimmt und reflektiert. Es sind viele Assoziationen, die mir mit diesem geheimnisvollen Bild in den Sinn kommen, viele die mit der Geschichte des Tanzes gar nichts zu tun haben. Das ist Magie. Das ist wahrer Tanz.

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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: , Seite 8
von

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Die Kampagne

Es ist nun mal Tradition. Zu einem Opernhaus gehört ein Ballett. In allen großen Städten ist das so. Und wo es mal nicht so ist, wie in Köln, wo man statt Ballett den zeitgenössischen Tanz in die Oper ließ, da gibt es bald gar keinen Tanz mehr. Davon haben sich die Schweden aber wenig beeindrucken lassen. Das altehrwürdige GöteborgsOperans Balett ist erst letztes...

The winners are...

Tanzkrimi des Jahres: Das Bolshoi

Choreograf des Jahres: John Neumeier

Tänzerin des Jahres: Anne Teresa De Keersmaeker

Kompanie des Jahres: Ballett am Rhein

Tänzer des Jahres: Stuttgarter Männer

Newcomer des Jahres: Dada Masilo

Der Protagonist

Worauf schaut ein Tänzer, wenn er sich ein Bild von einem Kollegen macht? Auf seine Füße? Auf sein Gesicht? Auf seinen Körper? Darauf eine Antwort zu finden, treffe ich mich morgens am Wasserturm im Prenzlauer Berg mit Michael Banzhaf, etliche Ballettzeitschriften unterm Arm – nicht nur die eigenen, sondern auch einige in einer uns weniger geläufigen Sprache....