eine invasion?

Wie der zeitgenössische Tanz die Russen infiltriert - mit europäischer Millionenhilfe. Ein Besuch beim Festival «Intradance» in Moskau.

Da kann die Stationswärterin im grauen Kostüm pfeifen, so schrill sie will, die Burschen springen trotzdem über die Absperrung, um sich die Kopeken für die Metrofahrt zu sparen. Ihre Choreografie geht so: Heranschlendern, Kurzsprint, Satz über die Sperre. Eine akrobatische Einlage, aber keiner guckt hin. Niemand applaudiert.

Im Theater verhält sich der Moskauer umgekehrt. Da folgt sofort Beifall auf einen hohen Sprung, einen Schulterstand, eine Rückbeuge bis zum Boden oder das Laufen in der Hocke, so sicher wie ein Pawlow’scher Reflex.

Erleichtert, dankbar, heftig beklatscht das russische Publikum jedes Kunststück. Für Virtuosität hat man hier so seine Schwäche. Auch die Folie, vor der der zeitgenössische Tanz wahrgenommen wird, ist immer und immer noch das Ballett. Im Waganowa-Institut hängt das Bild der Meisterin in einem einfachen Holzrahmen: Das erzählt der Tänzer Artjom Ignatjew in Christoph Winklers Stück «True Style»: «Sie guckt sehr ernst, sie guckt in den Spiegel, und der Spiegel schaut zurück, und sie guckt in den Spiegel, und der Spiegel schaut zurück, und sie guckt in den Spiegel, und der Spiegel schaut zurück, bis ans Ende der Zeit.»

Christoph Winkler aus Berlin hat den ...

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Tanz Juli 2010
Rubrik: ideen, Seite 60
von Katja Schneider

Vergriffen