hype

Jan Pusch hat in Braunschweig mit viel Aufwand ein großes Stück Tanz choreografiert – und dabei den Sinn des Staatstheaters wunderbar unterminiert

Tanz hat es schwer, aber nur deshalb, weil er – entgegen seinem Hang zu Höherem oder gar zu einer gewissen Transzendenz – sich stets und unerbittlich gegen die Niederungen der Sprache wehren muss. Diese Niederungen drohen ihm am Staatstheater Braunschweig schon im Parkettfoyer, wo das Volk sich versammelt, bevor es vor der Bühne die choreografische Kunst von Jan Pusch erleben wird.

Warnrot und hintergrundbeleuchtet zieht sich über die gesamte Länge der Wand ein wirklich großer Satz: «Je perfekter das System, je größer die Ruhe im Glauben an seine Ordnung, desto gigantischer und verheerender sein Zusammenbruch.» Eine solch programmatische Gleichung bezieht sich natürlich nicht auf das Staatstheater, sondern wurde von einem Theaterautor namens Nis-Momme Stockmann in einem Stück gebraucht, das u. a. den Titel trägt: «Die potentielle Holistik eines Schnellkochtopfs im Kosmos des modernen Seins» – wobei auch dieser Topf sicher nicht als Metapher fürs Staatstheater herhalten mag. Vielmehr geht man doch in ein Theater, weil dort gern im Schnellkochverfahren ein Text erzählt wird, in dessen Tiefen die unendliche Weite der Kultur erscheint, die zu durchqueren im optimalen Fall ein sehr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2013
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
passione in due

Eine «Matthäuspassion» ohne Chor, ohne Solisten, ohne Matthäus und überhaupt ohne Gesang? Wie geht das? Bei Emio Greco und Pieter C. Scholten steht Johann Sebastian Bachs Komposition im Dialog mit einem grotesken Tänzer und wird nicht nur auf dem Piano, sondern bisweilen auch auf dem Akkordeon gespielt. Das Choreografen-Duo aus Amsterdam geht der Beziehung zwischen...

frankreich: Abou Lagraa: «El Djoudour»

Eine Trennung der Lebensbereiche von Mann und Frau habe es in der arabischen Kultur nie wirklich gegeben, glaubt der Choreograf Abou Lagraa. Wozu sonst all die Terrassen und Salons, wenn nicht als Begegnungsräume für Mann und Frau? Die Trennung, so Lagraas Überzeugung, findet allein im Kopf statt. Also lässt er in seinem neuen Stück acht B-Boys aus Algier auf...

basel: Richard Wherlock: «Eugen onegin»

Kein Wort über Cranko. Im sonst so sorgfältig editierten Programmheft kommt der Klassiker nicht vor, mit dem der Erbe des Choreografen seit dessen Tode so viele Bühnen bestückt. Statt «Onegin» nennt Richard Wherlock seine Version des Versromans von Alexander Puschkin vorlagengetreu «Eugen Onegin», unterlegt ihr indes wie seinerzeit der Kollege in Stuttgart...