Martin Schläpfer

Martin Schläpfer ist vielleicht kein typischer Schweizer, aber er besitzt ein paar Tugenden, die in der Schweiz etwas gelten und die ich je länger je lieber mag: Freundlichkeit, Arbeitsethos, um nicht zu sagen: Fleiß, Skepsis, Präzision, Beharrlichkeit und eine gewisse Schrägheit, wie man sie nur im Voralpenland findet. Was Schläpfer macht, und er macht seit Jahren kontinuierlich viel, macht er gründlich. Mit seiner Poesie und Nachdenklichkeit. Auf seine ureigene Weise. Unverwechselbar. Als Choreograf hat er vieles gelernt und vieles erreicht.

Er ist einer, der sich selbst nichts schenkt und sich selbst gegenüber vielleicht manchmal zu kritisch ist. Aber eigentlich ist das auch gut. Die Frische von Schläpfers Balletten könnte man, oberflächlich betrachtet, mit Jugendlichkeit, physischer Präsenz, Sensibilität und einem untrüglichen Sinn für Proportionen assoziieren. Bei genauerem Hinsehen dominiert der Eindruck der Reife und der Musikalität des tänzerischen Ansatzes. Die Fähigkeit zur Distanz gehört seit Anbeginn zu Schläpfers Gratwanderung. Wohin das führt, ist nicht immer abzusehen. Und auch das ist gut so. Die Hoffnung auf Martin Schläpfer ist jedenfalls niemals enttäuscht worden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 148
von Martina Wohlthat

Vergriffen