Hervé Koubi «Sol invictus»

Neuss

Dezember, Sonnenwende, Tag der Geburt der Sonne: Dies natalis solis invicti. Römischer Kult zu Ehren der Unbezwingbaren. Eingeführt im dritten Jahrhundert von Aurelius, später christianisiert als Natale: Weihnachten. Und auch der «Sonntag» geht auf diesen römischen Sonnenkult zurück. Aber nicht darum geht es Hervé Koubi, wenn er sein neues Stück «Sol Invictus» nennt – die Parallele ist ein andere, zu finden in der kulturell einigenden Rolle des römischen Festtags, der vor allem in der Armee begangen wurde.

Die Sonne als universeller Gegenstand der Verehrung sollte die verschiedenen Kulturen des weitläufigen Reichs überlagern. Für Koubi liegt darin auch eine persönliche Note. Denn der Choreograf aus Cannes huldigte in vielen seiner früheren Stücke den algerischen Wurzeln seiner Familie und schuf atmosphärische, harmonisch-sinnliche Fresken aus urbanen Tänzen. Dabei lernte er zunächst Ballett in Cannes an der Schule von Rosella Hightower und tanzte später in zeitgenössischen Kompanien.

Der Hip-Hop war für ihn eine Brücke zur arabischen Hemisphäre des Mittelmeers. Da passt es gut, dass der römische Sonnenkult orientalische Wurzeln hat. Mit seiner eigenen Hymne an die unbezwingbare ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2023
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Ella, van Manen, Peck «Generations»

Ihre Wahl fiel auf Leeds: Für ihr Europa-Debut als Choreografin hat sich New York City Ballet-Star Tiler Peck das Northern Ballet als Kooperationspartner ausgesucht. Pecks Kreation «Intimate Pages» zu den Klängen ausgesuchter Sätze aus Leos Janáčeks Streichquartett Nr. 2 «Intime Briefe» wurde im Rahmen des Dreierabends «Generations» uraufgeführt, Seite an Seite mit...

Forsythe Forever

Normalerweise wird ein Werk nach dem Tod einer Künstlerin, eines Künstlers einem Archiv übergeben, im besten Falle aufgearbeitet und Forschung resp. Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Archivare steuern die Prozesse. Sie bestimmen, was bleibt und was zur Kassation freigegeben, sprich vernichtet wird. Sichten, sortieren, inventarisieren, das ist erst einmal das,...

Ausstellungen 11/23

SELMA SELMAN
In ihrer Performance «Motherboards» zerlegen Selma Selman und ihre Familie Elektroschrott. In «Mercedes Matrix» wird ein Luxusfahrzeug zerstört. Und in «Platinum» landen Autowracks im Kunstraum. Selman hinterfragt damit rassistische Stereotypen, die die 1991 in Bosnien-Herzegowina mit Rom*nja-Hintergrund geborene Künstlerin prägen – und hat sich so zu...