Heimatlos

Er flüchtete in den Westen und blieb ein Nomade, für immer. Von Rudolf Nurejews Dasein als Migrant erzählt einer, der es miterlebt hat.

Rudol’f Chametovič Nuriev, so lautet sein Name in wissenschaftlicher Transliteration, ist ein Inbegriff der Heimatlosigkeit. Sie beginnt beim Namen. Im Tatarischen, der Sprache seiner Eltern, fand er nie Verwendung: Рудольф Мөхәммәт улы Нуриев oder Rudolf Xämät ulı Nuriev. Wobei noch immer ungeklärt ist, welchem Alphabet der Vorrang gebührt, dem kyrillischen oder dem lateinischen. Als wäre das nicht verwirrend genug, sind in China sogar die arabischen Schriftzeichen bis heute gebräuchlich.

Wo immer Rudolf Nurejew, ein Prototyp des Migranten, auch hinkommen sollte, war es für seine Gastgeber selbstverständlich, den Namen zu transkribieren. Wenn sich die französische Schreibweise Noureev amtlich durchgesetzt hat, dann lag das zunächst an den Behörden, die ihm 1961 das erste Visum für Paris ausstellten, später auch am Fürstentum Monaco, dem er den ersten «Titre de voyage» verdankte, ein Dokument für Flüchtlinge, das ihn 21 Jahre lang begleiten sollte. 

Paris war nicht sein erstes Reiseziel im Westen. Den Eisernen Vorhang, der politische Welten trennte, hatte Nurejew schon früher durchschritten, als er, aus Budapest kommend, die ungarisch-österreichische Grenze erreichte. Als Mitglied ...

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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Globetrotter, Seite 19
von Gerhard Brunner