Zeitlos schön

Was erzählt uns das Handlungsballett eigentlich? Ohne Worte, dafür mit dem unentbehrlichen Ballettführer in der Hand? Auf der Bühne handelt es vom Erwachsenwerden, von Loslösung, von Reifeprüfungen und Aufnahmeritualen. Ballett ist was: für die Teens von heute.

Klassik hat Konjunktur. Wo auch immer das Petersburger Mariinsky-Ensemble seine zaristischen Kronjuwelen präsentiert, läuft der Kartenverkauf auf Hochtouren. Steht dagegen eine Uraufführung an, kalkuliert die Ballettdirektion das Defizit schon mal vorab; Avantgardisten fristen ihr Dasein sowieso im Dauer-Prekariat.

Denn allein der Klassiker, also das ballet d’action, das mit psychologischer Raffinesse eine (mehr oder minder) erkennbare Handlung erzählt, garantiert nach wie vor volle Kassen.

Mag die Welt in den letzten einhundert Jahren bis auf die atomare Ebene hinunter zerlegt und auf Schallgeschwindigkeit hinaufgepegelt worden sein – ihre Bewohner lassen sich wie eh und je am liebsten Geschichten erzählen, in Büchern, im Belcanto und im Ballett.

Welche Geschichten werden da zum Besten gegeben? Baumeln da nicht viele lose Enden umher, und kann der tanzende Körper überhaupt vermitteln, was ein Librettist ursprünglich zu Papier gebracht hat? In der ersten Blüte des Handlungsballetts waren sich die Autoren dessen ebenso wenig sicher wie heute. Wer im 19. Jahrhundert in die Oper ging, um einem spectacle dansé beizuwohnen, bekam ein livret in die Hand gedrückt, die Kurzfassung des ...

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Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 38
von Dorion Weickmann

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