Gregor Zöllig: «Erste Symphonie von Johannes Brahms»

Bielefeld

Gregor Zöllig                                                                                                             «Erste Symphonie von Johannes Brahms»

Kunst macht Arbeit. Und auch Tanz will bewältigt werden. Leo Siberski spricht im Programmheft von einer «Physiognomie des Schaffens».

Ihr wollte der Dirigent der «Ersten Symphonie von Johannes Brahms» ebenso nachspüren wie Gregor Zöllig samt seinem Tanztheater: und lässt sein Stück vor dem eisernen Vorhang gemächlich angehen – mit einem Tänzer, der, Brahms trällernd, vor aller Augen seine Kleider wechselt. Kaum ist er so uniform wie alle, zwingen «unerbittliche Paukenschläge», wie der Dirigent schreibt, «harmonische Klangräume zur Expansion» – und damit die zehn Ensemblemitglieder in einen Einheitstrott, der in seinem drängendem Tempo, seinen kollektiven Strukturierungen etwas Unmenschliches, Fließbandhaftes hat. Kein Wunder: Die ganze Mannschaft tat sich im Zug ihrer Recherchen in entsprechenden Betrieben um und setzte die gesammelten Erfahrungen in eine Choreografie um, die sowohl den Rhythmus der Symphonie reflektiert als auch die Hektik unserer Arbeitswelt ahnen lässt.
Dieser Reibungsfläche ist es zu danken, wenn der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2009
Rubrik: Der Kalender, Seite 34
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Goyo Montero :«Benditos Malditos»

Goyo Montero
«Benditos Malditos»

Nürnbergs neuer Ballettchef feierte seinen Einstand nicht auf einer der großen Bühnen des Staatstheaters, sondern in der Tafelhalle. Egal, ob das nun Understatement ist, logistische Notwendigkeit oder Publikumskreis erweiternder Kunstgriff, irgendwie zu bescheiden wirkt es doch. Immerhin lernt man so die «Benditos Malditos» aus der...

Gestörte Schönheit

Leipzig. Das Kellertheater in den Katakomben des riesigen Opernhauses. Zu DDR-Zeiten war es der Partykeller der Künstler, sagt Friedrich U. Minkus, Impresario der Choreografin Heike Hennig. Zusammen mit dem Dramaturgen Jochen Kiefer gehören die drei derzeit zu den erfolgreichsten Tanzunternehmern in Sachsen. Hennig wurde überregional bekannt, als sie ehemaligen...

Turning scientific

Martin Puttke, wir sitzen hier in der Intendanz des Staatsballetts Berlin, wo Sie kürzlich einen Workshop gegeben haben. Was haben Sie den Tänzern beigebracht? Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie wir die Klassiker lebendig bekommen. Wir sehen ja, dass Tänzer Schwierigkeiten haben, uns den Siegfried oder die Giselle als heutige Figuren glaubhaft zu machen....